Der andere Gang durch Paderborn

Paderborn. Meine Stadt. In der Sonne so schön. Da lohnt sich ein Besuch der Innenstadt, wenn die wärmenden Strahlen des glühenden gelben Balles sich über ihr ausbreiten. Erstrahlende Altbauten, die das Gefühl von Geborgenheit zu bergen scheinen und Tausend lächelnde Gesichter umarmen, die durch die Straßen dieser Schönheit streifen. Frauen in schicken Kleidern und Männer im Surferstyle, die ihr Eis an den gemütlichen Plätzen rund um den Rathausplatz genießen, Kinderlachen, Hundegebell, laute Gespräche mit dem süßesten Ton, der je erklang. Fast schmerzlich wirkt die Freude, geprägt von der Vergänglichkeit, verschwindend wenn die Sonne geht.

Durch das Quellgebiet streifen. Selbst die Penner scheinen sich mit ihrer Stadt zu freuen- oder gerade sie, denn schließlich wohnen sie mehr in ihr als sonst irgendjemand- und stoßen freudig mit ihrem PET-Flaschen an, unterstützt von ihren zotteligen Begleitern, denen die Ausgelassenheit nicht entgeht.Hin zu den Paderwiesen, wo Massen  junger Menschen sitzen, zu lauter Musik lachen, trinken und rauchen. Nirgendwo sonst ist der Sommer so nah, wie auf diesem Stückchen Wiese, zu dem die Junge Meute schon gehört, als habe man Rosen in ein Rosenbeet geplanzt. Doch genau so vergänglich auch dieses Bild. Wahrscheinlich gut so. Die Rose wartet bis zum Winter um zu verblühen, dieses bunte junge Meer verschwindet schon mit dem Abend. Oder eher.

Ein Wolkenmeer, das aufkommt und plötzlich mächtiger scheint, als jeder Strahl der glühenden Sonne je war. Grau. Trist. Wo sin all die Farben hin? Hektisches Packen ist zu beobachten, und das Lächeln der Gesichter verschwindet wie die Strahlen hinter den Wolken. Aufbruch. Donner. Jetzt gehen auch die letzten. Ich bleibe. Es scheint die anderen zu bedrohen, bedrücken. Mich befreit es. Die Wolken wirken wie eine Decke, die sich schützend über ihre Welt legt. So auch über mich. Regen. Der Geruch von Erde steigt empor. Kein Grill, kein Bier, kein Rauch. Pure Natur. Erde eben. Als ich mich in das nasse Gras pflanze, bemerke ich, dass ich wohl doch nicht das einzige Lebewesen bin, das sind freut. Klein, braun, watschelig trottet eine Entenfamilie über die Wiese, nein, sie tanzt fast. Froh, dieses Stück Natur für sich zu haben, zumindest bis zu den nächsten Sonnenstrahlen. So lass ich sie allein. Ich stör wohl nur. Also zurück. Durch das Quellgebiet, in dem die Apokalypse eingeschlagen sein muss. Hunde bellen, aber nicht vergnügt, Punks schreien sich an, streiten um die umherliegenen PET-Flaschen, von Ausgelassenheit keine Spur. Verrückte Welt.

Durch die Stadt. Ich werde nass. Ich lächel. Damit bin ich wohl allein. Gestresste Mütter, schreiende Kinder, grimmige Gesichter. Von der sonnigen Romantik zum Weltuntergang. Auf meinem Weg nach Hause ist da niemand außer mir. Verlassene Straßen, ab und zu ein paar Autos, selbst die Fahrer im Inneren scheinen verärgert. Worüber? Ich hingegen fühl mich frei. Der Regen säubert mich. Und meine Stadt. Schließe die Augen, umhüllt von Wasser, zugedeckt vom Wolkenmeer. Und in der Nase der beruhigende Geruch von nassem Asphalt. Ein perfekter Tag. Sommerregen, komm gelegen.

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